EM 2012 Ukraine: Sponsoren, Unternehmen, Tierquäler, Tierschützer und Emotionen

Eine Woche nach der Veröffentlichung meines letzten Artikels „Sponsoren und die Tierquälerei für EM2012 in der Ukraine“ ist es an der Zeit mal einen Blick zurück zu werfen. Die EM2012 und der Aufschrei der Tierschützer zu den qualvollen Hundetötungen hat ein breites Echo im Netz gefunden und die als Sponsoren beteiligten Unternehmen mussten auf die an sie herangetragenen Emotionen reagieren.

Was ist alles passiert? 

Es gab einen Sturm der Entrüsteten und Engagierten auf die Facebook Fanpages der beteiligten Unternehmen.

Wie bei jeder schnell wachsenden Bewegung wurden hierbei anfangs auch Fehler gemacht.

So wurde das bereits durch Karl Theodor zu Guttenberg salonfähig gewordene Copy&Paste für die Beschwerdetexte verwendet. Thematisch treffende Fotos wurden im Eifer des Gefechtes benutzt, ohne vorher zu verifizieren, ob es sich hierbei auch um Beweisfotos aus der Ukraine handelt. Facebook ist aktiv eingeschritten mit einem Verweis auf seine Nutzungsbedingungen in Zusammenhang mit Spam.

Jedoch kann und sollte von Sponsorenseite nicht der Fehler gemacht werden diese Bilder/Fotos direkt oder über einzelne Fürsprecher als Vorwand zunehmen, um die dahinter stehenden ehrlichen Anliegen und Absichten zu diskreditieren.

Was machen Unternehmen in vielen Fällen selber innerhalb ihrer Werbung?

  • Zeigt die Werbung für die eigenen Produkte immer nur die objektive Wahrheit?
  • Oder sollen nicht gerade über bestimmte Kampagnen Emotionen beim Konsumenten geweckt und für die eigene Sache genutzt werden?

Genau dieses Mittels bedient sich letztlich auch die Gruppe der Entrüsteten und Engagierten.

Hier liegt natürlich eine Gefahr für Sponsoren der EM 2012 in der Ukraine.

Es findet sich im Internet über die Google-Suche ein nahezu unerschöpflicher Vorrat an grausamen und schockierenden Bilder und Videos von gequälten und ermordeten Hunden.

Durch eigene, in dieser Woche verstärkt zu erkennenden „Selbstreinigungsaktionen“ haben die Teilnehmer des Sturms der Entrüsteten und Engagierten bereits begonnen die Quellen der Fotos und Videos selber zu überprüfen und zu verifizieren. Zudem wurden auch selbst aufgestellte Verhaltensregeln stärker in den Fokus gerückt.

Daher könnte es zukünftig noch leichter werden einen Zusammenhang zwischen einer entsprechend auf Fotos/Videos gezeigten Tierquälerei und der Fußball EM2012 in der Ukraine herzustellen.

Sobald zukünftig die Marketingkampagnen der Unternehmen verstärkt mit dem Verweis auf ihre Sponsoringaktivitäten verbunden werden, könnte schnell ein negativer Bezug durch das Unternehmen selber, ungewollt impliziert werden:

Tierquälerei und Hundetötung in der Ukraine
=
„echte“ Fotos/ Videos + negative Emotionen = EM2012

Unternehmen
=
Sponsoringaktivitäten + Fußball = EM2012

Daraus folgt:

„Tierquälerei und Hundetötung in der Ukraine = eigenes Unternehmen“

 Dies setzt natürlich voraus, dass es den Tierschützern gelingt ihren Protest auch in dieser Dimension und Medienpräsenz bis zur EM 2012 aufrecht zu erhalten.

Momentan besteht die Gefahr/Möglichkeit, dass der Fokus auf das eigentliche Ziel innerhalb dieser Facebook- Gruppen aus den Augen verloren wird und diese verstärkt als Bühne für andere Tierschutzaktionen verwendet werden.

Aktuell jedoch sind wir in der Vorweihnachtszeit und damit in einer sehr umsatzstarken Periode im Jahr.  Es bleibt abzuwarten wie sich dieses Thema auf die Verkäufe in den nächsten vier Wochen bei den betroffenen Unternehmen auswirken wird.

 

Wie haben sich die Unternehmen bisher verhalten?

Um es kurz auf den Punkt zu bringen:
Die beteiligten Unternehmen haben teilweise leider in der vertrauten Art und Weise reagiert.

  • Es werde die Fußball EM 2012 in der Ukraine unterstützt nicht aber das Töten.
  • Man stehe in Kontakt mit dem Veranstalter und beobachte.
  • Der Veranstalter (UEFA) hat eine Erklärung abgegeben. (Diese wurde durch die Tierschützer bereits kurze Zeit später inhaltlich auseinander genommen.)

Es kann sicher auch vermutet werden, das Überlegungen angestellt wurden, ob die eigene Marke tangiert wird. Entsprechende Beiträge finden sich beispielsweise hier

Wird aus Adidas “Bloodydas”? – Anatomie und Therapie einer Social-Media-Krise | Open Source PR – Das Oseon-Blog von Tapio Liller.

Die betroffenen Unternehmen zeigen also ganz klar ein Verhalten und Krisenmanagement wie es bereits erfolgreich bei früheren „störenden Kampagnen” eingesetzt wurde.

Jedoch hat sich die Welt gerade in den letzten Jahren im Sinne einer echten Revolution weiterentwickelt.

Selbst innerhalb der Unternehmen sind nun Kunstfiguren wie „Sue Social“ und ein „Media Man“ (Adidas) im Einsatz, um bei den eigenen Mitarbeitern die Chancen und Risiken von Social-Media-Aktivitäten zu verdeutlichen.
Eine Offenheit für neue Themen kann also durchaus vorausgesetzt werden.

em2012_Ukraine_2012_hashtag

Es bleibt aber abzuwarten, ob sich die Ergebnisse der unternehmensinternen Analysen in der nächsten Zeit verifizieren lassen oder ob die eigene Markenpositionierung im sozialen Umfeld nicht doch erneut überdacht werden sollte.

  • Im Sinne einer zugrunde liegenden Revolution, wie sie von Brian Solis gerade erst in „The Washington Post“ im Artikel „Digital Darwinsim and why brands die“ beschrieben wird.

 

Emotionale Momente erleben sicher alle Beteiligten in den letzten Tagen in einem Ausmaß das Viele auch überwältigen dürfte.

Die zahlenmäßig größte Page bei Facebook dürfte STOP KILLING DOGS – EURO 2012 IN UKRAINE  mit knapp 80.000 („gefällt mir“) Teilnehmern sein, daneben gibt es zahlreiche Gruppenseiten mit jeweils einigen tausend Mitgliedern.

Auf die Spam-Anschuldigungen wurde reagiert, indem man neue Themen nur noch selber postet und daher eine bessere Kontrolle über die Entwicklung der jeweiligen Threads auf der Pinwand nehmen kann und zudem dadurch, dass man einen umfangreichen Verhaltenskodex publizierte.

Es gibt zahlreiche Petitionen und Seiten die eine Übersicht über relevante Medienberichte bieten.

Persönlicher Disclaimer:
Da ich mich als Haustierbesitzer auch der emotionalen Tierfotografie verschrieben habe, sollte kein Zweifel aufkommen:  für mich steht der Kampf gegen das unnötige Tierleid in der Ukraine im Mittelpunkt. Daher bin ich auch bei Facebook in einigen Gruppen vertreten. Mit den als Sponsoren aktiven Unternehmen stehe ich außer als bisheriger Konsument und Nutzer deren Produkte in keiner direkten Verbindung.

Jedoch darf auch die Unternehmenssicht nicht aus den Augen verloren werden, da jeder nur das vom Anderen erwarten sollte, was man selber auch zu geben bereit ist:

Verständnis und Empathie

Es ist allen Beteiligten nicht damit geholfen, wenn jede Seite permanent gegen eine Wand des Unverständnisses anrennt und Kopfschmerzen als einzigstes Ergebnis dieser Bemühungen am Ende des Tages verbleiben. 

Besser mal einen Schritt von der Wand wegtreten und so eine Tür zur anderen Seite entdecken.

 

Weitere Artikel zum Thema EM 2012:

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LIPADO Social Media Strategie:
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Da dieses Thema zu ernst ist habe ich davon abgesehen dieses unter dem Schlagwort  „Shayenne“ zu veröffentlichen.

Wer aber als kurzzeitige Zerstreuung auch einmal wieder positive Emotionen durch Fotos und Geschichten erleben möchte, dem sei ein weiterführender Klick in meinem Blog empfohlen.